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Zur Uhrenstadt kommt die Fliegerstadt

 

1931 wurde der Regionalverband Grenchen des Aero-Club der Schweiz aus der Taufe gehoben. Gleichzeitig begann am Jurasüdfuss der Flugbetrieb mit einer De Havilland Moth. 76 Jahre später gehört Grenchen zu den bekanntesten Flugplätzen der Schweiz.
 
Flughafeneinweihung

Alles begann am Samstag, den 31. Januar 1931, nach­mittags um 14 Uhr im Saal des Restaurants zum Rosen­garten. Dort an der Grenchner Centralstrasse, vis-à-vis der Chäsi, wo heute das wuchtige Gebäude der ETA SA steht, fand die konstituierende Versammlung zur Gründung des Aero-Clubs Grenchen statt. Der initiative Industrielle Adolf Schild konnte an diesem Samstag­nachmittag rund 80 Personen begrüssen, die sich für die Aufnahme der Fliegerei in Grenchen interessierten. Adolf Schild informierte die Anwesenden über die Pläne: An der „südlichen Peripherie“ der Ortschaft Grenchen sollte ein Flugfeld im Ausmass von 210x120 Meter geschaffen werden, gleichzeitig sei ein Hangar zu er­stellen. In der Person von Oberleutnant Ernst Knab habe bereits ein Fluglehrer „von grossem Talent“ ge­funden werden können, heisst es im ersten Proto­koll­eintrag. Die Person von Ernst Knab dürfte auch wichtig gewesen sein, dass in Grenchen überhaupt an die Fliegerei ge­dacht wurde. Mündlichen Überlieferungen zufolge hatte der Militärpilot, der in der Grenchner Uhrenindustrie arbeitete, nämlich immer wieder Land­ungen in der Witi durchgeführt, wenn er mit einem Militär­flugzeug unter­wegs war. So soll die Idee auf­gekommen sein, in Grenchen einen permanenten Flug­platz einzurichten. Ernst Knab wurde dann für seine Ver­dienste am 4. Februar 1956 mit der Ehren­­mit­glied­schaft des Aero-Clubs Grenchen aus­ge­zeichnet.
 
 

Selbstbewusste Haltung

 
Für den Aero-Club der Schweiz referierte an diesem besagten Anlass, also am 31. Januar 1931, Hauptmann Jean Köhli aus Bern. Er begrüsste die Initiative zur Flugplatzgründung und brachte den Grenchnern die ersten Kenntnisse über das Flugwesen bei.
 
Bereits plädierte er für den Kauf einer „englischen Maschine“, mit der, so stellte sich an der ersten Vorstandssitzung vom 9. Februar 1931 heraus, eine zwei­plätzige De Havilland DH-60 Gipsy Moth, gemeint war. Köhli verwies darauf, dass Grenchen die Mög­lich­keit habe, eine selbständige Sektion des Aero-Club der Schweiz (AeCS) zu werden oder aber, was er empfahl, eine Untersektion des Aero-Clubs Bern. Die Grenchner ent­schieden sich dann für die erste Lösung, was an­ge­sichts der damals herrschenden wirt­schaft­lich de­press­iven Zeit für die – bekanntlich bis heute an­haltende – selbst­bewusste Haltung der Uhrenstädter spricht. Der Tat­kraft von Adolf Schild war es zuzuschreiben, dass der Grenchner Aero-Club und damit der Flugplatz gegründet wurde. Seine finanziellen Zuwendungen machten es über­haupt möglich, dass die Startschwierigkeiten über­wunden werden konnten. So schenkte er bei­spiels­weise den Pachtzins für das Gelände, kaufte später einen Zögling, schenkte 1933 ein Guthaben von 4611 Fr., löste einen Kredit von 40'000 Fr. bei der Solothurner Handels­bank ab und erwarb dafür den Hangar und das Grund­stück zum Preis von Fr. 16'000. Der Restbetrag von 24'000 Fr. blieb als Schuld stehen, die Adolf Schild später durch eine Schenkung löschte. Adolf Schild durfte die Entwicklung des Flugplatzes miterleben. Der 1879 ge­borene wurde später auch der erste Präsident der 1947 gegründeten Regionalflugplatz Jura-Grenchen AG und durfte hochbetagt 91-jährig, zwei Jahre vor seinem Hin­schied, am 4. Dezember 1970 noch das Band zur Ein­weihung der Hart­belags­piste durch­schnei­den. Zu den Initianten des Aero-Clubs Grenchen gehörte auch Leo Wullimann. Der Ingenieur, der uns von den Bildern als Charakterkopf mit Glatze und riesigem Schnauzbart be­trachtet, war damals Präsident des Verkehrsvereins Grenchen. An der konstituierenden Versammlung re­fer­ierte er in „gewohnt launiger Art“, was man sich anhand seines Porträts gut vorstellen kann, über die Vorzüge des Flugfeldes, gestalte sich doch die „Ein- und Ausfahrt von allen Seiten günstig“ (damit war wohl der Ein- und Ausflug gemeint). Wullimann hoffte auf ein „neues Blühen und Gedeihen unserer Ortschaft“ durch die Er­stellung des Flugplatzes. Am Schluss der kon­stit­uier­enden Versammlung trugen sich 57 Personen ein und be­stätig­ten unterschriftlich ihre Mitwirkung. Heute würde man sagen: Das „Kick-off-Meeting“ war gelungen.
 
Luftaufnahme 1937
 
 
Historische Flightline
 

Kein Flugplatz ohne Flugzeug

 

Die Initianten zögerten nicht lange mit der Realisierung des Grenchner Flugplatzes. Mit einem Tempo, das heute seinesgleichen sucht (und durch die gesetz­lichen Bestimmungen schlichtweg verunmöglicht wird), wurde die Vision in die Tat umgesetzt.
 
Luftaufnahme um 1950

Schon am 9. Februar 1931 konstituierte sich der Vor­stand im Hotel Löwen. Er präsentierte sich wie folgt: Adolf Schild (Präsident), Leo Wullimann (Vizepräsident), Hugo Sallaz (Kassier), Otto Rüefli (Sekretär), Walter Leuenberger (Pressedienst), Ernst Knab (Fluglehrer), Silvio Crivelli (Materialverwalter), Ernst Meyer und Ernst Brunner (Beisitzer); als Revisoren amteten Fritz Grimm und Rudolf Wyss. Die Namensliste liest sich wie das damalige „Who-is-who“ von Grenchen. Auch spätere Mit­glieder­listen zeigten: Wer etwas von sich hielt, war Mit­glied im Aero-Club Grenchen. Der Vorstand genehmigte das erste Budget für das Jahr 1931, das Investitionen für die Beschaffung des Flugzeuges von 17'500 Fr. sowie den Bau des Hangars von 12‘500 Fr. vorsah. Der Mit­glieder­beitrag kostete 26 Fr. pro Jahr. Er setzte sich zusammen aus einem Beitrag an die Clubkasse von 14 Fr., einem Beitrag an den Aero-Club der Schweiz von 4 Fr. und dem Abonnement der AeroRevue von 8 Fr.
 
Helikopterbesuch um 1950
 

Auf allen Fliegerkarten der Welt

 

Noch an der gleichen Sitzung wurde zu Handen der ersten Generalversammlung der Kauf des Flugzeuges be­schlossen und der Architekturauftrag für die Er­stel­lung des Hangars vergeben; der Hangar richtet sich nach einem Vorbild, das eine Delegation des Aero-Clubs Grenchen in St. Imier besichtigt hatte.
 
Luftaufnahme 1956
 
Dieser Hangar mit seinem charakteristischen Rund­bogen­dach stand bis zum Neubau des Flug­platz­restaurants, das 1974 eröffnet wurde und befand sich ungefähr dort, wo heute der Saal des Hotels Airport steht. Die erste Generalversammlung tagte am 23. Februar 1931 im Hotel Löwen. Den vom Vorstand be­an­trag­ten Investitionen für das Flugzeug und den Bau des Han­gars stimmte die Versammlung zu. Auch der Vertrag für die Pacht des Grundstückes mit Pauline Schild-Hugi wurde genehmigt. Das Wort des Präsidenten Adolf Schild, dass „Grenchen inskünftig zufolge der Errichtung eines Flugplatzes auf allen Fliegerkarten der Welt ein­ge­zeich­net“ sei, drückt den Stolz aus, den die Ver­sam­mlung in diesem Moment wohl empfunden haben dürfte. Der Aero-Club der Schweiz stimmte an seiner Haupt­ver­sam­mlung vom 28. Februar 1931 der Auf­nahme der Sektion Grenchen mit Akklamation zu, was an der Vorstandssitzung vom 2. März von den Grenchnern zur Kenntnis genommen wurde. Noch an der gleichen Sitzung wurden die Bauarbeiten für den Hangar an die Firmen Wyss, Meyer & Co. (Erd- und Maurer­arbeiten) und an Gebr. Emch (Zimmereiarbeiten) ver­geben. An weiteren Vor­stands­sitzungen vom 9., 23. und 30. März sowie 4. April 1931 wurden die Vor­arbeiten zur Eröffnung des Flugplatzes weitergetrieben. Die Sitz­ung vom 4. April beauftragte Fluglehrer Ernst Knab, das neue Flugzeug auf dem De Havilland-Werksflugplatz in Stage Lane abzuholen. In einem Bericht von Ernst Knab und im Logbuch des Flugzeuges CH 220, das sich im Stadtarchiv Grenchen, ist der Überflug von Stage Lane nach Grenchen dokumentiert. Das Logbuch ist übrigens auch in der Jubiläumsausstellung zu sehen. Bereits acht Tage später war es soweit: Am 12. April 1931 landete Ernst Knab mit der Moth CH-220 „Grenchen“ auf dem neuerstellten Flugplatz unter grosser Anteilnahme der Bevölkerung. Die Uhrenmetropole Grenchen war in nur zweieinhalb Monaten Vorbereitungszeit neu auch zum Flugplatzstandort geworden. Am 10. Mai wurde das Flug­zeug und die Graspiste eingeweiht, und bereits am 26. Juli 1931 bestaunten 10'000 Besucher die Vor­führ­ung­en, unter anderem mit einer Dewoitine-Staffel.

©Peter Brotschi, 2006
 
 
 
     
 
 
 

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